Interview mam Sabine Thiesler

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1). Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Ich habe schon als Kind Geschichten geschrieben, einfach, weil mir das Schreiben unglaublichen Spaß machte. Als ich dann jahrelang Drehbücher, Theaterstücke und Hörspiele auftragsmäßig schrieb, spürte ich schon, dass ich es kann, dass es mir keine großen Schwierigkeiten macht. Aber als ich dann in der „Königsdisziplin“ meinen ersten großen Roman schrieb („Der Kindersammler“) und der sofort auf der Bestsellerliste landete und sich weltweit verkaufte – da wusste ich, dass ich wirklich ein Talent zum Schreiben habe.

2). Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert? Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Total. Als ich das Manuskript des „Kindersammlers“ fertig hatte, hoffte ich, dass es irgendwann in gedruckter Form vor mir liegen und ich genug Exemplare für meine Freunde haben würde. Aber dass dieses Buch dann sofort durch die Decke ging und ich viele hunderttausend Stück verkaufte, damit hatte ich nicht gerechnet. Und es veränderte mein Leben dahingehend, dass ich von da an nur noch Romane schrieb und keine Auftragsproduktionen mehr fürs Fernsehen. Das war schon ein sehr sehr gutes Gefühl!

3). War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Nein. Ich wandte mich mit dem Manuskript an eine Agentur. Das Gute an einer Agentur ist, dass das Manuskript auch wirklich gelesen wird. Sie nahm das Buch sofort unter Vertrag, ging damit zum Heyne-Verlag und binnen zwei Wochen sagte der Verlag: „Wir wollen dieses Buch haben.“ Es ging rasend schnell.

4). Was ist für Sie der schwierigste Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten.
Den Ersten! Denn man weiß noch gar nicht so recht, wo die Reise hingeht. Wie fängt man an? Mit welcher Situation? Aus welcher Perspektive?

5). Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Ich habe in meiner Jugend sämtliche Thriller von Patricia Highsmith gelesen. Sie haben mich fasziniert, ihre Art zu schreiben hat mich beeindruckt. Und ich hatte in meinem Unterbewusstsein die Hoffnung: Wenn ich einmal Romane schreiben sollte, dann so wie sie.

6). Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Produkt?
Es dauert ungefähr anderthalb Jahre, bis ich ein fertiges Manuskript abgebe. Und dann benötigt der Verlag noch einmal ungefähr neun Monate, bis das Buch erscheint. Aber während dieser Zeit schreibe ich natürlich schon am nächsten.

7). Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Ich habe einen wunderschönen alten Schreibtisch in einem winzigen Haus ganz für mich allein, das neben unserem „Haupthaus“ steht. Dort habe ich meine Ruhe, und dort sitze ich am Computer. Und ich liebe es, abends zu schreiben, wenn es draußen dunkel ist. Sommer und Sonne sind bei mir eher kontraproduktiv.

8). E-Books oder Papierdruck? Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Ich liebe Bücher. E-books finde ich „unerotisch“, sie sind eigentlich nur im Urlaub praktisch. Aber da ich so gut wie nie Urlaub mache, brauche ich sie nicht. Nein, ich will ein wunderschönes, dickes Buch in der Hand halten, darin vor – und zurückblättern und mich immer wieder vom Titelbild inspirieren lassen. Wenn manche Leute in so etwas Wunderschönes, wie ein Buch, Eselsohren machen, weil es ihnen zu mühevoll ist, ein Lesezeichen hineinzulegen, dann tut es mir leid.

9). Nehmen Sie sich die Kritiken zu Ihren Büchern zu Herzen?
Nein. Ich weiß, dass ich es nicht allen recht machen kann, und dass es immer wieder Menschen geben wird, denen meine Bücher nicht gefallen. Aber wenn ich gute Kritiken bekomme, bin ich glücklich.
10). Was ist das Geräusch/ der Geruch Ihrer Kindheit?
Das Geräusch ist der Wagen meiner Eltern, der gerade auf den Hof fährt und ich schleunigst das Licht meiner Nachttischlampe ausmachen muss, damit sie mich nicht erwischen, weil ich heimlich gelesen habe.
Und der Geruch meiner Kindheit ist das knusprige Hähnchen, das sonntags im Ofen brutzelte, während mein Vater mir im Wohnzimmer Wiener Walzer beibrachte.

11). Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ich wüsste keinen.

12). Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es und warum?
Ich habe einen wunderbaren Sohn – aber ich glaube, ich würde – wenn ich könnte – noch mehr Kinder in die Welt setzen. Kinder sind etwas Tolles, Kinder sind die Zukunft und die einzige Hoffnung, die wir haben.

13). Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm/ihr sagen?
Tom Ripley. Und ich würde ihn fragen: „Hast du Zeit? Heute Abend? Auf ein Glas Wein?“

14). Was bedeutet Familie für Sie?
Familie ist – wenn sich alle Familienmitglieder verstehen – so groß und schön und wichtig wie Freundschaft. Aber so wie Freunde muss man sich auch eine funktionierende Familie erarbeiten. Sie fällt einem nicht in den Schoß. Und allein verwandtschaftliche Verhältnisse garantieren kein Glück und kein Geborgensein.

15). Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Nein! Es gibt zu viele! Ich kann mich nicht entscheiden und eins hervorheben. Und die Geschmäcker ändern sich. Was vor 20 Jahren mein Lieblingsbuch war, ist es heute nicht mehr.
Ein Lieblingszitat?
Nein! Es gibt Millionen davon. Wie sollte man da eins besonders hervorheben? Unmöglich!

16). Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Kreativ – verrückt – diszipliniert.

17). Was ist Ihnen wichtig am Ende eines oder vielleicht sogar eines jeden Tages getan zu haben?
Wenn ich geschrieben habe ist alles gut.

18). Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Für fast zwanzig Jahre nach Italien ausgewandert zu sein.

19). Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Mein Buch „Der Keller“ ist ja erst seit drei Monaten auf dem Markt. Es ist ja fast noch „druckfrisch“. Also dauert es noch eine Weile, bis das nächste fertig ist…

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