Interview mam Tania Witte

Tania_Witte©Carina_Nitsche Kunsthalle Mannheim2Foto Copyright: Carina Nitsche

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Ganz, ganz gerne, Jessica. Es ist mir eine Freude.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Zu merken, dass ich Talent habe, hat lange gedauert. Und daran zu glauben noch länger. Aber dass ich nichts anderes will, als zu schreiben, wusste ich schon sehr früh. Aber das Ganze frei zu lassen, nicht nur zielgerichtet zu schreiben, nicht nur für die Uni, für Zeitungen, für Magazine, für die Schublade, sondern wirklich groß zu denken – also im Sinne von: Buch! – das war eine gefühlte Ewigkeit. Deshalb hat es auch sehr lange gedauert, bis ich mein erstes Buch veröffentlicht habe.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert? Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Erst mal gar nicht. Ich hatte es gehofft, aber ziemlich lange ging alles weiter wie immer. Dann kamen die ersten Lesungen, das zweite Buch, mehr Lesungen, mehr Bücher, und so ging es eigentlich sehr langsam, aber stetig. Überrascht wurde ich also nicht, ich habe sehr hart daran gearbeitet, vom Schreiben leben zu können.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Ich hatte da Glück, weil ich bei einem kleinen Verlag angefangen habe. Dort habe ich viele Freiheiten gehabt, mich professionalisiert und von dort aus meine Flügel ausgebreitet. Heute wird es immer schwieriger, glaub ich. Besonders, wenn man gleich in den Mainstreammarkt will. Der Buchmarkt kämpft sehr, die Verlage schwimmen ein bisschen und wissen nicht recht, was erfolgversprechend ist, an wen und was sie glauben und worauf sie setzen sollen. Das macht es für alle Autor*innen schwerer – etablierte wie neue.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Nichts von beidem. Ich liebe erste Sätze, die verändern sich bei mir meistens auch nicht mehr, wenn sie mal stehen. Und die letzten schreiben sich auch quasi von selbst, wenn die Geschichte zuende erzählt ist. Das Dazwischen kostet mehr Kraft.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Natürlich! Ich lese viel und querbeet, selbstverständlich beeinflusst das. Weil ich merke, was ich mag und was nicht natürlich, aber auch, weil man aber auch analytischer zu lesen beginnt, wenn man selbst schreibt. Ich versuche, nicht nur die Geschichte und den literarischen Aspekt zu spüren, sondern auch, die Struktur zu durchdringen. Und dann spürt man, irgendwann, auch sehr gut, wie das eigene Schreiben funktioniert, lernt eigene Schwächen und Stärken kennen und damit arbeite ich dann. (Ist übrigens ein Tipp, den ich allen gebe, die schreiben wollen: Lest!)

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Mein erstes Buch dauerte zehn Jahre (und wurde nie veröffentlicht), das aktuelle („Die Stille zwischen den Sekunden“) habe ich in Rohform in vier Monaten geschrieben. Ist also von Buch zu Buch (und Mensch zu Mensch) extrem unterschiedlich.
Manche Bücher wollen geschrieben werden, die fließen schneller, andere will man selbst schreiben, das kann dauern. Zumindest nach meiner Erfahrung.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Chaotisch. Ich hab einen Desktop zuhause und einen Laptop für unterwegs. Drumherum herrscht Chaos.
Von Hand schreibe ich eigentlich nur Spoken-Word-Stücke, Tagebuch, Liebesbriefe und Einkaufslisten – alles, was mit Romanen (oder Journalismus) zu tun hat, läuft über den Rechner.

EBooks oder Papierdruck?
Ich mag Papier lieber, schon wegen der Haptik und des Geruchs – aber unterwegs und zum Ausleihen aus Bibliotheken lerne ich gerade eBooks schätzen. (Ich reise so viel. Und meine eigenen Bücher sind ja schon schwer genug.)

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Sie tun mir weh.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Klar! Wenn es konstruktive Kritik ist, nehme ich sie außerdem ernst und empfinde sie als Geschenk. Gute rührt mich zu Tränen, negative bringen mich zum Denken. Am schönsten sind die, bei denen ich mich verstanden fühle.
Aber es gibt natürlich einen großen Unterschied zwischen versierten Rezensionen und Amazonbewertungen. Gerade dort gibt es natürlich auch mal hingerotzten Hate, der wenig über das Buch sagt und mehr über die, die diese Bewertungen schreiben. Schön ist das trotzdem nicht. Ich wünsch mir da Respekt und Sachlichkeit, dann wär alles so viel leichter.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Klassische Musik.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Die Welt zu retten. Es ist ein Dauerfail, aber ich arbeite dran.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen sich und anderen Lebewesen mit Respekt, Achtung und Empathie begegnen würden. Ein Traum.

Was bedeutet Familie für Sie?
Ich glaube an das Prinzip der Wahlfamilie und daran, dass Liebe dicker ist als Blut.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Dutzende. Du.zen.de.

Lieblingszitat?
Gerade im Moment:
When nothing is sure, everything is possible. (Margaret Drabble)

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Effektiv, herzlich, ungeduldig.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Gelebt.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Loszulassen und zu springen.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Im Frühjahr 2020 erscheint beim Arena Verlag „Feel Nature“, das neue Buch von Ella Blix, einem Pseudonym, unter dem ich gemeinsam mit meiner Kollegin Antje Wagner schreibe. Das nächste von Tania Witte wird dann (vermutlich ebenfalls bei Arena) im Frühjahr 2021 erscheinen.

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