AF_Kliesch_Vincent_01_8560Copyright: Thomas Duffé

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Einer dieser Moment war wohl, als ich eine Entschuldigung für die Schule brauchte und dachte, es wäre bestimmt hilfreich, sie in Versform zu schreiben. „Bitte sei’n Sie mir nicht gram, dass ich zum Unterricht nicht kam. Der Magen hat mich arg gequält, den Gang zum Arzt ich d’rum gewählt.“ usw. Die Lehrerin hat mir dann erklärt, dass sie bei so einer Entschuldigung ALLES verzeihen würde. 🙂

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert? Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Ein Autor, der von dem, was er tut, überzeugt ist, geht ja bei seiner ersten Veröffentlichung immer davon aus, dass sie erfolgreich wird. Was dann üblicherweise zu großer Enttäuschung führt … Nachdem mein Debut „Die Reinheit des Todes“ aber dann tatsächlich sehr erfolgreich wurde ist mir dieser Motivationsknick zum Glück erspart geblieben. Viel verändert hat sich aber nicht für mich. Alle Menschen in meinem Umfeld wussten, dass ich immer Autor sein wollte, so dass das für sie eine konsequente Entwicklung war. Es hat sich aber sicher positiv auf mein Wesen ausgewirkt, dass ich seit dem ersten Erfolg beruflich immer das tun konnte, was ich liebe.

War es schwierig, für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Ich weiß, dass ich damit vielen jungen Autoren Tränen in die Augen treibe, aber: gar nicht! „Die Reinheit des Todes“ wurde an einem Freitag von meiner Agentur an elf Verlage geschickt, und am folgenden Dienstag lag schon das erste Angebot vor. Es gab dann weitere Interessenten, so dass die sich gegenseitig überbieten mussten. Mir ist aber schon damals klar gewesen, dass das nun wirklich nicht der Normalfall ist. Ich war wohl mit dem richtigen Buch zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Erste und letzte Sätze sind meine Lieblingsdisziplin! Bei jedem Kapitel. Der erste zieht den Leser in die Szene, der letzte lässt ihn umblättern. Wenn das Schreiben des Kapitels die Torte ist, dann sind der erste und der letzte Satz die Kirschen darauf. Da fällt mir nichts dran schwer, ich liebe es einfach!

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Vor allem Thomas Harris mit seiner Reihe um Hannibal Lecter. Die Filme kannte ich schon, aber ich wollte die ganze Geschichte kennen, und dazu muss man bekanntlich den Roman lesen. Harris schreibt so unglaublich böse, poetisch und bedeutend, dass es mich total geflasht hat. Seine Art, Helden und Antihelden zu konstruieren, Spannung zu erzeugen und das Grauen ganz leise in den Verstand des Lesers einziehen zu lassen finde ich überragend.

Wie lange dauerte es von der Idee bis zum fertigen Produkt?
Mein Debut zu schreiben hat etwas über ein Jahr benötigt. Nachdem die Idee in meinem Kopf fertig war, musste ich mich erst mal mit dem Schreiben als Handwerk befassen. Literatur über kreatives Schreiben, die Regeln des Genres, was zu beachten ist. Letztlich habe ich dann aber das Meiste intuitiv gemacht, weswegen in meinen alten Büchern hier und da klassische Regeln nicht voll zur Anwendung kommen. Da löst dann auch mal jemand anderer als der Held ein Problem, oder die Hauptfigur tut mal was Unsympathisches.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Schreibt heute noch jemand mit der Hand? Ich kann das kaum noch, nach dem zweiten Satz kann man nichts mehr entziffern. Und mein Verlag würde mich vermutlich erschießen, wenn ich da hunderte Seiten aus einer mechanischen Schreibmaschine zum Abtippen hinschicken würde. Es gibt ja auch keine Setzer mehr, die jeden Buchstaben und jedes Leerzeichen in eine Druckvorlage schieben. Nein, ganz klassisch am Rechner in meinem Arbeitszimmer im Souterrain meiner Wohnung. Da ist es schön kühl, dunkel und ruhig. So fließen die fiesen Gedanken am besten …

EBooks oder Papierdruck?Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Ich gehöre zu den klassischen Papier-Lesern! Und Eselsohren im Buch sind so, wie gebrochene Buchrücken. Gaaaanz schlimm! Es gibt Lesezeichen!

Nehmen Sie sich die Kritiken zu Ihren Büchern zu Herzen?
Mittlerweile lese ich sie gar nicht mehr. Ich gucke mir nur an, wie viele Rezensenten im Schnitt auf welche Gesamtbewertung kommen. Ich nehme es allerdings sehr ernst, wenn eine bestimmte Kritik von verschiedenen Seiten immer wieder kommt. Wenn die berechtigt ist reagiere ich dann normalerweise beim nächsten Buch. Ich gebe aber zu, dass mir schlechte Kritiken früher schon mal den Tag vermiesen konnten. Das ist vermutlich menschlich, Künstler wollen ja schließlich geliebt werden.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Das Geräusch –im weiteren Sinne- ist wohl der typische Synthie-Sound der Achtzigermusik! Diese bellenden Drums, die noch etwas unentschlossenen Bässe und die breiten, verspielten Arrangements. Nichts wirft mich schneller in meine Kindheit zurück, als Songs aus dieser Zeit. Der Geruch ist wohl der von frisch gemähtem Rasen. Wir hatten einen großen Garten, und wenn Papa am Wochenende Gras gemäht hat, hieß das immer, dass wir draußen essen oder sogar grillen würden. Das fand ich toll.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Es ist fast schon unheimlich, wie viele meiner Kindheitsträume in Erfüllung gegangen sind. Ich wollte Schriftsteller werden, ein eigenes Haus haben (ist jetzt eine Wohnung geworden, aber das lasse ich mal gelten) berufliche Anerkennung finden, interessante Menschen kennen und nur von dem leben, was ich gern mache. Ich hatte mir allerdings auch vorgestellt, glücklich verheiratet zu sein. Das ist irgendwie noch nichts geworden.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Siehe letzte Frage! Eine glückliche Partnerschaft wäre schon schöner als das Singledasein. Bewerbungen bitte an: …

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gern treffen – und was würden Sie ihr sagen?
Ich würde gern Superman treffen. Das war mein Lieblingsheld, als ich ein Kind war. Ich würde ihn fragen, wie er die Menschen sieht, was er an ihnen ändern würde. Und warum er sie so liebt, beschützt und permanent rettet, obwohl er ja gar nichts mit ihnen gemeinsam hat. Und das Ganze gern während eines gemeinsamen Fluges über den Planeten.

Was bedeutet Familie für Sie?
Alle, die eine haben, finden das gut. Muss was dran sein.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Das eine Lieblingsbuch gibt es nicht. Ich liebe aber z.B. „Fabian“ von Erich Kästner. Diese wundervolle Sprache und seine Art, zu erzählen. Ein Meisterwerk!

Lieblingszitat
Da gibt es sehr viele. Selbst, wenn wir nur bei „Fabian“ bleiben. Urkomische Sätze wie: „Auf der Joachimsthaler Straße fragte ihn ein dünnbeiniges, wippendes Fräulein, wie er drüber dächte. Er beschied das Anerbieten abschlägig, drohte mit dem Finger und entkam.“ Das ist auf so vielen Ebenen lustig!

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Verbindlich, lustig, Klugscheißer

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Am Ende eines Tages möchte ich etwas konstruktiv geschaffen haben, mit jemandem gesprochen und öfter als ein Mal gelacht haben. Und Kaffee. Kaffee ist wichtig.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Dieses Buch, das nur eine Idee in meinem Kopf war, wirklich zu schreiben. Es durchzuziehen, mir viel Mühe zu geben, nicht hinzuschmeißen. Obwohl es vermutlich später keiner würde haben wollen. „Die Reinheit des Todes“ hat es mir ermöglicht, heute ein schönes Leben führen zu können.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Der zweite Teil von Auris ist im Entstehen und soll voraussichtlich im Mai 2020 erscheinen!

Ein Kommentar zu „Interview mam Vincent Kliesch

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