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Foto: Astrid Eckert

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Um ehrlich zu sein, weiß ich bis heute nicht, ob ich Talent zum Schreiben habe. Ich tue es einfach, ich schreibe und erzähle meine Geschichten – und das eigentlich, seitdem ich denken kann.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Meine ersten beiden Veröffentlichungen, Frauenromane, sind fürchterlich gefloppt. Danach bestand mein Alltag jahrelang aus Schreibversuchen, begonnenen und wieder verworfenen Manuskripten, fertiggestellten Manuskripten, für die ich haufenweise Absagen von Agenturen und Verlagen bekommen habe. Dass « Liebes Kind » letztlich ein Erfolg wurde, hat mich völlig umgehauen. Selbst heute kann ich es manchmal noch kaum fassen und bin unendlich dankbar dafür.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Nach vielen Jahren des erfolglosen Schreibens war es mit « Liebes Kind » dann ironischerweise erstaunlich einfach, einen Verlag zu finden. Es waren sogar recht viele Verlagshäuser daran interessiert, das Buch zu veröffentlichen.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Definitiv ist der erste Satz der schwierigste. Ich bin ohnehin eine Meisterin darin, ein Dutzendmal nicht nur den ersten Satz, sondern den ganzen Anfang immer wieder neu- und umzuschreiben, weil ich immer denke : Das ist noch nicht gut genug, da geht noch mehr. In Summe schaffe ich es, ungefähr ein dreiviertel Jahr an den ersten fünfzig Seiten herumzudoktern, um die restlichen dreihundert Seiten dann innerhalb weniger Wochen fertigzustellen.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Autorinnen wie Melanie Raabe (« Die Falle »), Gillian Flynn (« Gone Girl ») und Paula Hawkins (« Girl on the train ») haben mich definitiv beeinflusst, weil sie mir gezeigt haben, wie Spannungsliteratur heutzutage aussehen kann, dass es darin mehr geben kann, als rein effekthascherische Momente und pures Spannungstreiben, nämlich eine hochwertige Sprache und eine feine Psychologie. Das war im Grunde auch der ausschlaggebende Punkt, warum ich selbst angefangen habe, mich im Thrillergenre zu versuchen.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Ungefähr ein bis anderthalb Jahre.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Mein Traum ist immer noch, die erste Fassung eines Romans auf einer alten Schreibmaschine zu tippen, was bislang an zwei Dingen gescheitert ist : meinem Perfektionismus und der Tatsache, dass ich gar keine Schreibmaschine habe. Ich sitze auf einem dicken Kissen auf dem Boden in meinem kleinen Wohnzimmer, den Rücken an eine ungefähr dreißig Jahre alte Heizung gelehnt, die entweder kalt oder höllenheiß ist. Dadurch habe ich mir auch schon öfter die ein oder andere Verbrennung zugezogen. Insgesamt kann ich mich am besten konzentrieren, wenn ich es ein bisschen unbequem habe. Frag mich nicht, warum. Ich schätze, ich bin seltsam in vielen Dingen.

EBooks oder Papierdruck?
Papier.

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Gehören in ein Buch wie Falten in ein alterndes Gesicht.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Ich schätze konstruktive Kritik und allein die Tatsache, dass jemand sich die Zeit nimmt, a) meine Texte zu lesen und b) anschließend auch noch seine Gedanken dazu zu formulieren. Kritik, die auf mich als Person abzielt, nehme ich nicht ernst, weil ich nicht mich, sondern ausschließlich meine Texte zur Diskussion stelle.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Meine Kindheit klingt nach der « Guilty »-Schallplatte von Barbra Streisand (hat meine Mutter rauf und runter gehört). Einen speziellen Geruch hat sie nicht. Wenn ihr allerdings einen geben müsste, dann wäre er auf jeden Fall süßlich und sehr angenehm. Ich hatte eine tolle Kindheit.
Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Meine beiden größten Kindheitsträume sind bereits wahrgeworden : ich wollte Mutter werden und Schriftstellerin. Aber einige « Erwachsenen-Träume » sind noch offen, wie zum Beispiel ein Road Trip durch die USA.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Gar nichts. Ich glaube, das Leben weiß, was es tut, und auch jede härtere Phase hat am Ende ihren Sinn gehabt.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Da gibt es keine Figur, bei der ich dieses Anliegen hätte. In der Fiktion hat jede Figur und jede ihrer Handlungsweise ihren Grund und ihre Berechtigung.

Was bedeutet Familie für Sie?
Meine Familie ist mein Rückhalt, meine Stärke, mein Schutz vor der Welt, wenn sie sich für mein Gefühl mal wieder zu schnell dreht oder über mir zusammenbricht.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Das ändert sich immer mal wieder. Zuletzt unfassbar berührt war ich von « Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich » von Kjersti Skomsvold.

Lieblingszitat?
« Glück ist ein Maßanzug. Unglücklich sind meist die, die den Maßanzug eines anderen tragen möchten. » (Karl Böhm)

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Geschichtenerzählerin. Hippiemädchen. Dutt.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Ich möchte gerne etwas geschaffen haben und mir einreden, ich könne eines Tages etwas hinterlassen, das mich selbst überlebt. Ein alter Künstlertraum vermutlich.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Trotz Misserfolgen und Niederlagen nicht mit dem Schreiben aufzuhören.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
2020. Ich arbeite bereits wie verrückt daran.

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