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Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Sehr gerne! Vielen Dank, dass ich zu Gast sein darf.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Viel zu spät. Im Gegensatz zu vielen Kollegen hatte ich nie den Wunsch Bücher zu schreiben. Mein Medium war der Zeichenstift. So bin ich auch direkt zum Studiengang Animationsfilm an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg gekommen. Erst mein Mann, selbst Autor, hat mich dann zum Schreiben gebracht. Rückblickend muss ich aber sagen: Eine Geschichtenerzählerin war ich schon immer.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Erfolg ist relativ. Aber ich habe gemerkt, dass es mir sehr viel Spaß macht, Geschichten zu erzählen. Und inzwischen habe ich den Zeichenstift an den Nagel gehängt und das Schreiben zu meinem Hauptberuf gemacht. Am täglichen Ablauf hat sich dadurch jedoch nichts geändert.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Ich hatte das Glück, von Anfang an von einer Literatur Agentur vertreten zu werden. Die weiß natürlich welcher Verlag sich für welche Geschichte interessiert und so hat meine erste Kinderbuchreihe (die ich zusammen mit meinem Mann Derek geschrieben habe) sehr schnell einen Verlag gefunden.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Definitiv der erste Satz. Der ändert sich auch bestimmt an die fünfzig Mal. Nicht nur, weil ich oft eine Weile brauche, um die richtige „Tonlage“ zu finden, sondern auch weil der Einstieg in die Szene sich manchmal noch ändert.
Bei „White Maze“ stand der erste Satz jedoch sofort fest. Schon im Exposé hatte ich diesen Satz als den Beginn festgelegt.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Beeinflusst – kann ich nicht beurteilen. Beeindruckt ja.
Ich bin eine große Verehrerin von Phillip Pullmans „His Dark Materials“ oder Christoph Marzis „Lycidas“.
Neil Gaiman und seine Erzählweise mag ich auch sehr.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Das ist unterschiedlich. Mit manchen Geschichten (wie „White Maze“) bin ich ein gutes Jahr „schwanger gegangen“, bevor ich mich an Expose und Leseprobe gemacht habe. Andere Ideen, wie „Julie Jewels“ haben mich einfach angesprungen und binnen ein paar Monaten hatte ich nicht nur Konzept und Leseprobe fertig, sondern sogar schon einen Vertrag für die Trilogie.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Noch aus meinen Illustratorinnen-Tagen habe ich ein hübsches (aber meist völlig chaotisches) Arbeitszimmer. Das zugleich Bastelzimmer meiner Kids ist … ob daher das Chaos stammt? *grübel*
Dort verbringe ich die meiste Zeit am Schreibtisch an meinem Computer. Allerdings schreibe ich am allerbesten auf dem Sofa.

EBooks oder Papierdruck?
Ich liebe es, Bücher in meinem Regal zu haben, die mir etwas bedeuten, die mich verzaubert haben. Da reicht es manchmal, an trüben Tagen nur kurz aufs Cover zu sehen, und schon wirkt der Zauber der Welt darin und ich hab wieder Sonnenschein im Herzen.
Aber inzwischen lese ich auch oft eBooks auf meinem Tablet. Das habe ich quasi immer dabei und kann mich auch bei kurzen Zeitfenstern in andere Welten flüchten.

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Wenig. Für all die Bücher, die ich meinen Kindern vorlese und die sie mir vorlesen, nutzen wir Lesezeichen. Wenn jeder immer Seiten knicken würde … nein, das täte den Büchern sicher nicht gut.

Nehmen Sie sich die Kritiken zu Ihren Büchern zu Herzen?
Wenn es sich um sachliche Kritik handelt, natürlich. Dann überlege ich, inwieweit ich das bei meinem nächsten Buch vielleicht anders oder besser machen kann.
Wenn ich merke, dass die Kritik unsachlich ist, lese ich sie nicht zu Ende.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Das ist eine sehr schöne Frage.
Und erst neulich habe ich wieder festgestellt, dass dieses Geräusch noch immer in meinem Leben ist, und es sofort dieses wunderbare Kindheitsgefühl entstehen lässt:
Taubengurren an Frühlingsmorgenden.
Dieses Geräusch bedeutet, dass ein sonniger Tag auf mich wartet. Ein fröhlicher Tag mit viel Himmel und Grün. Mit umherstreifen im Wald und dem Entdecken von kleinen Abenteuern.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Fliegen zu können? *lach*
Ein großer Traum wäre, einmal nach Japan zu reisen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Eigentlich weiß ich, dass ich rundrum glücklich sein kann. Ich habe eine großartige Familie und wohne wunderbar in einem tollen Ort. Und ich darf mir Geschichten ausdenken.
Aber, wenn ich mit einem Fingerschnipsen etwas verändern könnte, dann wären es die derzeitigen Bedingungen für Autoren auf dem Buchmarkt. Da ist viel in Schieflage geraten in den letzten Jahren.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Da muss ich jetzt lange grübeln.
Die Helden meiner Lieblingsbücher machen ihre Sache eigentlich immer ganz gut. Mit 14 hätte ich allerdings zu gerne Aragorn begleitet, als er noch ein Waldläufer war. Und Boromir gesagt, dass ich ihm verzeihe.
Momentan würde ich wahnsinnig gerne einmal den Nachtzirkus besuchen …

Was bedeutet Familie für Sie?
Alles.
Familie ist der Kern, der alles antreibt und zusammen hält. So viele Geschichten auch meinen Kopf und auch mein Herz füllen – ohne meinen Mann und meine Kinder aber auch meinen Bruder und Eltern – ohne die ich als Kind gar nicht so viele Abenteuer erlebt hätte – wäre es alles sehr leer und einsam.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Da gibt es nicht das eine.
Es gibt ein ganzes Regal von Büchern, die mich seit meiner Kindheit begleiten und immer mehr geworden sind – und deren Anzahl noch immer stetig wächst. Unter diesen Lieblingen finden sich Klassiker wie die „Schatzinsel“ oder „Ronja Räubertochter“ – aber auch Bücher von John Irving und Murakami.

Lieblingszitat?
„Du musst besessen werden und besessen bleiben.“
John Irving in „Das Hotel New Hampshire“
(Und dabei darf dann natürlich auch nicht vergessen werden „Bleib weg von offenen Fenstern“, was einem das Leben aber nicht immer leicht macht.)

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Begrenzt multitaskingfähig, kreativ in allen Lebenslagen, Arbeitsmethode „Pi mal Daumen“ bei allem, was System verlangen würde

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Spiel und Spaßzeit mit meinen Kindern verbracht zu haben.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Derek zu heiraten, Kinder zu kriegen und aufs Land zu ziehen.
Und mit dem Schreiben anzufangen.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Von June Perry wird voraussichtlich im Herbst 2019 ein neues Buch im Arena Verlag erscheinen.

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