Interview mam Janet Clark

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Foto: Astrid Purkert

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Ich habe das gar nicht bemerkt, es waren andere. Sie liebten die Geschichten, die ich erzählt oder manchmal als Geschenk aufgeschrieben habe. Die Idee, irgendwann einmal ein Buch zu schreiben, hatte ich das erste Mal mit Mitte Dreißig. Ab da war es ein langer, lernintensiver Weg bis hin zu meinem ersten Roman.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Puh… Wie lange soll das Interview werden? 😉 Ich habe ein sicheres und gutes Einkommen und einen Job aufgegeben, in dem ich mich bereits bewiesen hatte, und mich auf die Unsicherheit eines Künstlerlebens und einen Neuanfang eingelassen. Das ist mir sehr schwer gefallen. Durch den Wechsel in den Buchmarkt habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt, meine Prioritäten neu geordnet und musste lernen, mit dem heftigen Wechselspiel zwischen Hoffnung und Enttäuschung umzugehen. Und ich musste noch mehr arbeiten. Ich habe schon immer viel gearbeitet, auch am Abend, um Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen, aber seitdem ich freie Autorin bin, hat sich das nochmal gesteigert, zumal ich mich ehrenamtlich stark engagiere. Meist macht mir das nichts, da ich meine Arbeit gern mache und meiner Persönlichkeit die Selbstbestimmung meiner Arbeitszeit entgegenkommt. Ich brauche keine Kontrollinstanz, damit ich meine Arbeit erledige. Diese Freiheit genieße ich sehr.

Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Ja. Da ich weiß, wie extrem schwer es ist, als Autorin überhaupt sichtbar zu werden.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Nein, mehrere große Publikumsverlage wollten mein Debüt. Es kam in eine Auktion und dadurch konnte mein Agent einen Vorschuss heraushandeln, der mir ermöglichte, meinen Job aufzugeben. Dazu muss aber gesagt werden, dass ich zuvor das Handwerk gelernt habe (bzw. bis heute noch lerne) und mein Debüt mehrmals komplett um- und neugeschrieben habe, um im Rahmen des kontinuierlichen Lernens all das umzusetzen, was meine Schreiblehrerin daran bemängelte. Ich habe das Manuskript erst dann an den Agenten gegeben, als meine Schreiblehrerin mir das „go“ gegeben hatte – und das war etwa ein Jahr später als ich es mir in meiner damaligen Unwissenheit selbst gegeben hätte. Das erforderte extrem viel Geduld, Fleißarbeit und Kritikfähigkeit. Diese Attribute sind übrigens sehr hilfreich, wenn man sich als Autorin durchsetzen möchte.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Definitiv der erste.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Andere Autoren beeinflussen mich sehr oft – positiv oder negativ. Gefällt mir etwas sehr gut, lasse ich mich davon inspirieren, sei es perspektivische Umsetzung, Sprache, Plotstruktur etc. Das heißt nicht, dass man etwas nachmacht, sondern sich davon in Bezug zur eigenen Arbeit anregen lässt, um wiederum auf eigene, neue Ideen zu kommen. Auch negativ: gefällt mir etwas gar nicht, analysiere ich warum und achte darauf, dass ich nicht den gleichen Fehler mache.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Im Schnitt zwei Jahre, je nachdem, ob die Idee gleich umgesetzt wird oder warten muss, da ich bereits an etwas Anderem arbeite. Auch das kommt vor, dann kann es auch mal drei oder vier Jahre dauern.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
In mein Romantagebuch schreibe ich mit der Hand, das Manuskript mit dem Computer. Mein Arbeitsplatz ist dort, wo ich gerade bin. Am Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer, in der Küche, Wohnzimmer, Zug, Wartezimmer, im Garten, im Hotelzimmer, am Strand, im Flugzeug, im Auto (wenn nicht ich fahre  ) Jetzt gerade sitze ich auf der Terrasse und schreibe dies während ich frühstücke.

EBooks oder Papierdruck?
Beides. Wobei ich vorwiegend Papierbücher lese, aber ein E-Book kann durchaus praktisch sein. Was ich am E-Book nicht mag, ist die Tatsache, dass es zu einem katastrophalen Preisverfall geführt hat. Die weit verbreitete Vorstellung, dass die Herstellung eines E-Books nichts oder kaum etwas kostet ist – sorry – dumm. In einem (Verlags)E-Book steckt die bezahlte Arbeit der Autorin, Lektorin, Herstellung (Satz), des Marketings, Vertriebs (ja, auch die Bereitstellung eines E-Books und der Download muss bezahlt werden). All diese Kosten fließen in den Preis eines Buches mit ein, egal ob E-Book oder Papierbuch. Der Druck eines Buches ist im Gesamtkontext ein geringer Kostenfaktor und die Tatsache, dass E-Book Leser kaum noch bereit sind, für E-Books einen angemessenen Preis zu bezahlen, der ALLE Kosten beinhaltet, hat zu einer Veränderung im Buchmarkt geführt, die das sogenannte Sterben der Midlist eingeläutet hat. Autoren, die kein Bestsellermarketing bekommen und nicht flächendeckend im Buchhandel ausliegen, haben heute online kaum noch eine Chance mit einem Buch, das einen angemessenen Preis ausweist.

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Ein Buch das gelesen wird, darf auch gelesen aussehen. Da bin ich vollkommen schmerzfrei.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Immer, da ich daraus lerne. Dabei unterscheide ich zwischen ‚Geschmack’ – der ist unterschiedlich und der fließt auch in Kritik mit ein. Davon lasse ich mich nicht beeinflussen. Aber es gibt Kritikpunkte, die mir aufzeigen, dass ich bestimmte Aspekte eines Buches besser hätte machen können und das fließt in mein nächstes Projekt mit ein.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Der Geruch des Waldes in dem ich aufgewachsen bin. Die Erde, das Gras, die Blumen und Blüten, das feuchte Laub … und das Summen der Bienen und Hummeln, das Flügelsirren der Libellen und Mücken, das Zwitschern der Vögel.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ich kann immer noch nicht hexen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Ich würde selbst regulierende Gerechtigkeit herschnipsen. Auf der ganzen Welt.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Keine Ahnung. Was soll ich einer Romanfigur sagen? Es gäbe im wahren Leben eine ganze Menge Personen, die ich nie treffen werde, aber denen ich einiges zu sagen hätte.

Was bedeutet Familie für Sie?
Sie ist mein Herzschlag.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Klares Nein. Ich habe Lieblingsbücher und die wechseln, da es immer wieder neue Bücher gibt, die mich faszinieren und auch ich mich weiterentwickle.

Lieblingszitat?
Kategorischer Imperativ (Kant): „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Würden wir alle so handeln, gäbe es keine Gewalt, keine Kriege, keine Ungerechtigkeit – denn wer würde schon wollen, dass er selbst ungerecht behandelt, getötet, betrogen, o.ä. werde?

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Gar nicht. Also habe ich meinen Mann gefragt. Seine Antwort: Hübsch, intelligent und unfassbar fleißig.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Meine Liebsten geherzt und mit ihnen gelacht zu haben.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Kinder zu bekommen.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Herbst 2019.

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