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Wann hast du bemerkt, dass du ein Talent zum Schreiben hast?
Angefangen habe ich mit 15 Jahren. Zuerst Gedichte und kurz darauf Theaterstücke. Ich weiß nicht ob Talent das Wort ist, das ich selbst damals benutzt hätte, ich hab einfach geschrieben und mir die Figuren und Dialoge vorgestellt und notiert. Der Beginn des ersten Romans kam dann erst sechs Jahre später 1999.

Warum hast du dich für BOD (Books on demand) entschieden?
Es gibt mehrere Gründe die dazu führten. Im Lyzeum war ich Teil einer Gedichte schreibenden Gruppe Jugendlicher. Ein Radiosender kam auf uns zu und wollte einige in einer bestimmten Sendung vorlesen. Diese wurden dann derart zerrissen dass ich von luxemburgischen Medien erstmal die Schnauze voll hatte und auch jede Menge Absagen von luxemburgischen Verlagen damals bekam. Das war allerdings vor 1999.
Heute finde ich es toll die Kontrolle über Papierart, Buchformat, Schrift und letztlich das Buchcover zu haben. Natürlich könnte mich ein ordentlicher Vertrag bei einem großen Verlag davon überzeugen diese Kontrolle etwas abzugeben, aber wer würde das nicht?

Wie würdest du Literatur in drei Wörtern beschreiben?
Gefühl. Weltentauchen. Fokus.

Deine Buchtitel sind aussergewöhnlich …
Wie kommt das?
Ich selbst finde die Titel nicht besonders außergewöhnlich. Der Schachspieler z.B. ist ziemlich simpel und klar. Die Reißzwecke in der Regenrinne wurde erst ein Roman nachdem man mit mir wettete, niemals einen Roman mit einem solchen Titel schreiben zu können. Diese Wette war situativ: Ich saß am Fenster meiner damaligen Studentenbude und warf eine Reißzwecke aus dem Mansardenfenster auf das Schrägdach. Diese fiel dann in die Regenrinne. Ich weiß aber nicht mehr warum ich sie hinauswarf.
Die Evolution des Skorpions ist, das gebe ich zu, vom Titel her etwas hermetischer und ist bislang der komplexeste Roman. Der Titel sollte keinen direkten Rückschluß auf den Inhalt ermöglichen. Natürlich gibt es Erklärungen aus den Geschehnissen im Buch heraus.
Die Pathologie der Liebe hingegen ist eine klare Infragestellung des Wortes Liebe an sich und die daraus resultierende Pervertierung positiver Eigenschaften in Eifersucht, Hass, Raserei und Mord wenn ein krankhafter Geist verletzt wurde.

Du hast ‚Die Pathologie der Liebe‘ aus der Sichtweise einer Frau geschrieben.
Wie war das für dich?
Für mich war es besonders wichig eine Zäsion machen zu können zwischen dem Autor und dem narrativen Ich im Buch. Oft wurde, besonders von Menschen die mir nahestehen, der Link zwischen mir selbst und einer Figur in einem der Bücher gemacht. Zu Unrecht. Ich bin nicht die Person oder die Figur. Ich fühle nicht die Dinge notwendigerweise. Ich wollte daher eine Erzählperspektive die ich als Mann nicht bin, daher die Frau.
Außerdem wollte ich wirklich ausprobieren wie es ist aus dieser Perspektive zu schreiben. Das war in der Tat eine aufregender Aspekt.

Wie bist du vorgegangen?
Wie geht ein Mann vor um aus der Perspektive einer Frau zu recherchieren? Die Frage war zuerst: Welche Themen spricht diese Figur im Buch an, nicht das Frausein an sich, sondern diese spezifische Figur Laura Triggs? Wie ist sie als Charakter beschaffen. Natürlich flossen dann auch Details hinein was Frauenkleider anbelangte, die Bezeichnungen von Schuhen und ähnlichem. Ich denke das Konkurrenzdenken von Frauen ist anders als das der Männer. Das war für diesen Roman besonders wichtig. Letztlich ist sie jedoch Kunstinteressierte und eine krankhaft eifersüchtige, psychologisch auffällige Person.

Musstest du viel recherchieren?
Nein, eigentlich nicht. Die Figuren werden irgendwann lebendig und haben ihr Eigenleben. Manchmal reagieren sie anders als ich es anfangs vorhatte darstellen zu wollen. Aber das macht den Reiz der Figuren aus.

Wo nimmst du die Ideeen für die verschiedensten Romane her?
Das ist schwierig zu beantworten. Meist denke ich an ein Thema, eine Situation. Daraus entstehen dann die notwendigen Figuren, die sich natürlich teilweise verändern während dieses Prozesses. Andere werden gestrichen oder kommen dazu. Meist sehe ich Szenen vor mir wie in einem Film und schreibe es auf. Die Figuren sind zentral, vor allem deren Entwicklung oder Möglichkeiten einer Entwicklung zum Guten oder Schlechten. Meist laufen sie ja in ihr Verderben. Die Guten siegen nicht immer und die dunklen Figuren werden nicht immer bestraft.

Was gefällt dir am Schreiben am besten?
Das Kreieren von Charakteren und dann das Aufeinanderloslassen derselben und das Entstehen einer Geschichte im Plot. Teile des Plots sind immer freigehalten für die merkwürdigsten Dinge die dadurch passieren. Welten entstehen und teilweise ist das Ende nicht einmal so geplant wie es dann im Buch letztlich steht. In Die Evolution des Skorpions z.B. reifen die Figuren im Romanplot von 2003 bis 2004, die tatsächliche Reifung der Personen aber konnte in der Schreibspanne von 2003 bis fast 2014 vonstattengehen, wie ein guter Wein in einem Barrique-Fass. Hier war die tatsächliche Geschichte überhaupt nicht geplant. Im Fokus standen die Charaktere und deren psychische Selbstzerfleischung und natürlich New York als Stadt die ich wie einen Charakter behandelte.
Ich mochte es die Leserin/den Leser in Die Pathologie der Liebe in die Ich-situation zu zwingen, in die Gedanken und Gefühle von Laura Triggs und letztlich damit selbst den Mord vor dem inneren Leserauge zu vollbringen. Es macht die Leserin, den Leser zum Täter. Das fand ich interessant. Es gibt Leute die so im Buch versunken waren dass sie es schrecklich fanden dass es aus der Ich-Perspektive geschrieben ist da die Distant zur Person fehlte. Ich finde das großartig!

Schreibst du wild drauf los, oder ist das Ganze strukturiert?
Teilsteils. Manchmal ist eine Grundstruktur da, die aber nicht immer befolgt werden muss wenn bessere Idee auftauchen. Es gibt kurze Notizen für einen Gesamtplot oder eine Ende. Manchmal kommen Kapitelnotizen dazu aber es bleibt viel Raum für die eigentliche und eigenwillige Figurentwicklung im Roman, die oft nicht geplant war.
Die Namen sind oft ein Hinweis auf ihre Charakteristik.

Für welches Buch hast du am längsten gebraucht? Welches war am schnellsten fertig?
Wie vorhin erwähnt wurde Die Evolution des Skorpions über einen Zeitraum von 11 Jahren verfasst, von 2003 bis 2014. Ich legte das Manuskript immer wieder beiseite, schrieb an anderen Manuskripten. Es ist auch das einzige Buch bei dem ich bei Schreibbeginn keinen Funken an Ideen hatte was den Plot anging. Die Person Lynkeus steht im Mittelpunkt eines riesigen New York, es regnet. Mehr hatte ich nicht. Die Richtung war: Was machen Lynkeus und seine ebenso neurotischen Freunde in einer Stadt die sie zu erdrücken scheint.Viel wurde verändert im Laufe des Schreibens, selbst die Namen wechselten manchmal. Einige Dinge sind autobiographisch, aber nur Details. Daher wurde es auch sehr komplex. Die Namen aber geben oft einen Hint auf ihre Funktion oder ihren Charakter.

Wo schreibst du am liebsten?
Das ist eigentlich egal. Im Urlaub schreibe ich tatsächlich per Hand in ein Lederbüchlein, zuhause auf dem 27´ iMac und wenn ich das Macbook dabeihabe, also meist in Freistunden in der Schule, dann auf diese Art. Ich schreibe schubweise, das heißt, ich schreibe manchmal 10 Buchseiten am Stück, setze Plotpunkte in das Lederbüchlein oder recherchiere, insbesondere per Google Maps. Ich liebe es diese Orte so aufzusuchen und detailgetreu in den Büchern zu beschreiben. Manchmal schreibe ich auch kein einziges Wort, selbst wenn Wochenende ist. Das passiert nunmal und beunruhigt mich nicht im Geringsten. Schreibblockaden kenne ich nicht. Ich weiß das Meer ist da und die Wellen kommen mit den Gezeiten, darauf verlasse ich mich.

Hast du ein Lieblingsbuch?
Lieblingszitat?
Das ist schwierig zu beantworten, denn es gibt eine Menge gute Bücher.
In meiner Jugend hätte ich Hesses Siddharta genannt.
Ich mag „High Fidelity“ von Nick Hornby und „Golden House“ von Salman Rushdie.
Meine Liste wäre also ein wenig länger …

Welches bekannte Buch würdest du nie lesen?
Das gibt es sicherlich viele. Aufgrund meines teils erzwungenen Lesepensums an der Uni bin ich da etwas vorgeschädigt und lese vergleichsweise sehr wenig. Lesen würde ich z.B. nie im Leben Fifty Shades of Grey. An der Uni mussten wir Der Mann ohne Eigenschaften lesen. Das ist tough und eine Tortur. Es wäre einfacher zu erzählen warum ich einige Bücher für total überschätzt halte.

Warum?
Fifty Shades z.B. würde ich allein wegen des Stils nicht lesen wollen. Ich merke gerade dass dies meine kürzeste Antwort in diesem Interview ist.

Wenn du die Gelegenheit hättest, einen Buchcharakter zu treffen, wer wäre das? Was würdest du ihm sagen?
Das ist eine wunderbare Frage. Allein die Frage begeistert mich. Ich würde sie alle gerne einladen zu einer 80er Party und hoffe alle würden kommen und miteinander reden und tanzen. Das wäre ziemlich schräg.
Aber Spaß beiseite, ich würde Lana Fox aus Die Evolution des Skorpions gerne kennenlernen, obwohl, bei näherer Betrachtung basiert sie auf einer realen, etwas umgeformten Person, daher…
Ich würde mich wohl für Calisto oder Achilles aus dem nächsten gleichnamigen Roman (Achilles) entscheiden.

Welche Bücher sind noch geplant?
Auf was können deine Leser sich freuen?
Wie erwähnt: Der dystopische, systemkritische Roman Achilles, düster und apokalyptisch. Er wird im Sommer 2018 das Licht der Welt erblicken.
Danach steht noch Jonathan an, basierend auf einem meiner alten Theaterstücke von 1997, das komplett umgeformt wird und 1973 in Kanada spielt, zu Zeiten von Nixons Watergate. Ob ich dazwischen das schon 1/3 fertige Tränen der Götter bearbeite weiß ich nicht. Es handelt von einem Terroristenangriff auf eine Malediveninsel und der Frage: Was kann man auf einer 300×250 Meter großen Insel tun?
Die Grundideen für 7 Romane stehen fest, ebenso die Titel… Ich bräuchte mehr Zeit zum Schreiben, bzw. weniger Ablenkung vom Arbeitsleben (lacht).

2 Kommentare zu „Interview mam Pascal Debra

  1. Interessant. Wobei ich die Überschrift nicht verstehe. Sollte es nicht „Interview mit Pascal Debra“ heißen? Books on Demand kenne ich auch. Das ist ein guter Hersteller von Büchern und ein guter Verlag. Das Wort „Zäsion“ kenne ich nicht, ich kenne nur „Zäsur“. Aber ich lerne gerne dazu….

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    1. Eigentlich schon. Doch da ich die Buchbesprechungen auf Luxemburgisch schreibe, handhabe ich das auch so mit den Überschriften. Und auf Luxemburgisch ist das grammatisch korrekt 🙂

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