Alana Falk
Foto: Erol Gurian

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Sehr gerne, danke, dass ich dabei sein darf. 😀

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Ich weiß nicht, ob man merkt, dass man Talent hat, aber ich habe gemerkt, dass ich Spaß daran hatte und zwar sehr großen. Irgendwann habe ich anderen Autoren meine Sachen zu lesen gegeben und sie mochten es, da dachte ich wohl, dass sich was daraus machen lässt. Von da an hat es aber noch lange bis zur ersten Veröffentlichung gedauert.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Na ja, mein Debut „Die blutroten Schuhe“ lief zwar für einen Kleinverlag sehr gut, es war aber nicht so, dass es über Nacht zum Erfolg führte. Ich sehe mich auch heute noch nicht als wirklich erfolgreich an, auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich schon viel erreicht habe und dafür bin ich sehr dankbar. Aber jeder kleine Schritt nach vorne ist weniger eine Überraschung, sondern vor allem harte Arbeit und mit sehr viel Schweiß und Herzblut erkauft. Umso dankbarer bin ich für meine Leser, von denen mir einige seit dem ersten Buch die Treue halten.

War es schwierig für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Nein, denn eigentlich war das gar nicht geplant. „Die blutroten Schuhe“ sollte eigentlich eine Kurzgeschichte für eine Märchenanthologie des Machandel Verlags werden, aber wie das bei mir so ist – ich kann mich nicht kurz fassen. *lach* Die Geschichte war mit fast 300 Seiten ein gaaanz klein wenig zu lang und meine Verlegerin hat sich dann dazu entschieden, es als Roman herauszugeben, weil es ihr so gut gefiel.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Den erste Satz zu schreiben fällt mir gar nicht schwer, ich fange einfach an und die ersten 100 Seiten des Buches fließen meist sehr leicht aus mir heraus, danach wird es dann schwierig, denn dann fangen die Verwicklungen an, es muss spannend sein und so weiter. Aber DEN ersten Satz zu finden, der dann auch der erste Satz bleibt, das ist eine andere Sache. Das ist manchmal unheimlich schwer. Der letzte Satz hingegen kommt meistens von ganz alleine. Das letzte Kapitel, meist ein Epilog, in dem ich dem Roman einen schönen Abschluss gebe, fällt mir im Normalfall sehr leicht, ich liebe es, ihn zu schreiben und der letzte Satz fließt dann meist auch einfach so aus mir heraus und passt dazu.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Ja, auf jeden Fall. Ich denke, Marion Zimmer Bradley hat mich sehr beeinflusst, ganz sicher auch Tamora Pierce und vor allem Joanne K. Rowling. Zuletzt habe ich auch festgestellt, dass Star Wars sehr viel Einfluss auf mein Schreiben nimmt, meine Bücher haben eine ähnliche Optik in den Settings, vor allem Sternensturm und Sternenfinsternis, ähnliche Themen und Konflikte, auch wenn die Geschichten an sich natürlich ganz anders sind.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Das ist sehr unterschiedlich. Oft kann ich ja eine Idee gar nicht sofort schreiben oder bearbeiten, sondern stelle sie einem Verlag vor, dann wird sie hoffentlich gekauft und dann schreibe ich die Idee aber erst, wenn sie dran ist, denn ich arbeite die Bücher danach ab, wann sie erscheinen. Es kann also sein, dass schon allein zwei Jahre vergehen, bevor ich die ersten Sätze zu einer Idee schreibe. Bei „Träume, die ich uns stehle“, waren es sogar drei Jahre. Aber ich mag das, wenn man so lange darauf gewartet hat, etwas zu schreiben, macht es umso mehr Spaß, wenn es endlich dran ist. Ich schreibe ungefähr 1800 Normseiten im Jahr, also 3 bis 4 Romane. Dann ist ein Roman aber noch nicht fertig. Er muss noch überarbeitet und veröffentlichungsreif gemacht werden, das dauert auch noch mal seine Zeit. Ich würde sagen, meistens sind es 4 bis 6 Monate pro Roman, wobei ich in der Zeit auch meistens schon an einem weiteren Projekt arbeite, um alles rechtzeitig zu schaffen.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Mittlerweile diktiere ich mit Spracherkennungssoftware in den Computer und laufe dabei auch oft herum, das ist besser für Rücken, Arme und Nacken. Mein Arbeitsplatz ist vollgestellt mit Laptops für verschiedene Zwecke (Recherche, Diktieren etc.) meinen Büchern und Utensilien wie Stiften und Karteikarten. Und natürlich Klebezettel, die sind sehr wichtig. 😉

EBooks oder Papierdruck?
Beides 😉

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Nichts, es tut mir weh, wenn ich sowas sehe. Ich weiß nicht, wie man das einem Buch antun kann! Was ich jedoch liebe, sind angemarkerte und vollgeschriebene Fachbücher. Daran sieht man, dass mit dem Buch intensiv gearbeitet wurde, das finde ich schön. Aber nicht bei Romanen. Ich lese auch nie aus meinen gedruckten Büchern, sondern drucke mir die Lesestellen aus, damit ich meine Notizen nicht in die Bücher machen muss.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Natürlich. Kritik ist das allerwichtigste, um als Autor besser zu werden. Das bedeutet nicht, dass ich alles umsetze, aber ich nutze sie, um meine Schwächen zu analysieren und mir zu überlegen, was ich besser und anders machen kann und möchte. Kritik ist nicht immer schön und nicht immer leicht zu ertragen, aber sie ist unverzichtbar.

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Das ist eine schwierige, aber wirklich tolle Frage! Den Geruch oder das Geräusch gibt es bei mir nicht, aber was mir einfällt, ist der Geruch von Anzündestreifen für einen Gasofen. Ich hatte früher in meinem Zimmer keine richtige Heizung, das war eine Altbauwohnung, die hatte nur Gasöfen und meiner hatte keinen automatischen Anzünder, sondern musste sehr umständlich mit einem Brennstreifen angezündet werden, der einen ganz speziellen, leicht rußigen Geruch hatte, zu dem dann auch noch ein leichter Hauch von Gas kam.
Das Geräusch meiner Kindheit gibt es nicht, das liegt vielleicht daran, dass wir sehr häufig umgezogen sind, ich glaube, elf Mal, bis ich 18 war. Vielleicht hatte deshalb nie ein Geräusch die Dauerwirkung auf mich, die es hätte haben müssen, damit ich mich jetzt auf diese Art daran erinnere.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ein Lichtschwert zu haben und mit einem Delorean in die Zukunft zu reisen. Aber das kann ja noch werden, ich arbeite daran. 😉

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Eigentlich würde ich nichts ändern, ich bin im Moment ziemlich dankbar und glücklich. Natürlich kann alles immer noch besser laufen, mir fehlt ja noch eine Verfilmung meiner Bücher *lach*, aber ändern würde ich eigentlich nichts. Außer vielleicht, mehr Zeit für alles zu haben, das wäre schön. In Zukunft würde ich aber gerne mehr reisen, das ist eine lebenswichtige Inspirationsquelle für mich.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Ich würde unheimlich gerne den Doctor aus Doctor Who treffen und natürlich mit ihm reisen, das wäre ein absoluter Traum. Er ist eine ständige Inspirationsquelle und ein absolutes Vorbild an Menschlichkeit, ich liebe seine Abenteuerlust und Neugier und ich würde ihm sagen, wie wichtig und toll es ist, dass er nie perfekt ist. Wir brauchen mehr fehlbare Helden, die uns zeigen, dass es normal ist, nicht alles können oder immer alles richtig machen zu müssen.

Was bedeutet Familie für Sie?
Familie ist für mich sehr wichtig, mein Mann ist mein Rückhalt und verhindert, dass ich total vereinsame, denn ich neige zum Eremitentum, ich bin im Alltag einfach sehr gern allein und merke oft gar nicht, wenn aus dem genussvollen Alleinsein Einsamkeit wird. Denn eigentlich bin ich auch sehr gerne in Gesellschaft von Menschen, ich mag Spieleabende, Stammtische, Messetreffen und liebe es auch, neue Leute kennenzulernen. Mittlerweile passiert mir das Vereinsamen aber zum Glück nicht mehr so oft, weil ich jetzt regelmäßige Termine habe (Doctor Who Stammtisch, Tanz der Vampire Stammtisch) und auch viel auf Messen und dergleichen unterwegs bin, wo ich immer neue Kontakte knüpfen und Freunde treffen kann. Diese Ausgewogenheit genieße ich sehr.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Harry Potter. Für mich eines der besten Werke, das die Literatur je hervorgebracht hat. Außerdem liebe ich Bücher wie Krabat und Die unendliche Geschichte, ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich die gelesen habe. Und dann natürlich Liebesromane, da steht bei mir immer noch „Claiming the Courtesan“ von Anna Campbell unangefochten an der Spitze.

Lieblingszitat?
Ich habe kein direktes Lieblingszitat, es gibt viele Menschen, die tolle Dinge sagen, die ich mir zu Herzen nehme und die mich weiterbringen. In letzter Zeit sind das vor allem Elizabeth Benton (Primal Potential Podcast) und Gary Vaynerchuk. Sie haben eine No-Bullshit Einstellung zum Leben und Arbeiten, die ich liebe, weil sie einen von negativem Denken befreit und einem hilft, positiv und motiviert an das eigene Leben heranzugehen. Ein tolles Zitat von Gary ist:
“Legacy is greater than currency.”
Das bedeutet grob übersetzt: Ein Vermächtnis ist wichtiger als Geld.
Für mich persönlich bedeutet das, nicht vor allem die Bücher zu schreiben, die sich leicht verkaufen lassen, auch wenn ich natürlich auf das Geld angewiesen bin, da das Schreiben mein Beruf ist. Sondern vor allem solche Bücher, die Menschen bewegen und helfen, die für Menschen wichtig sind und ihnen ermöglichen, auf unterhaltsame und schöne Art neue Aspekte an alten Themen zu entdecken. Ich stelle gerne Althergebrachtes in Frage und versuche, Klischees aufzubrechen. Meine Geschichten sollen etwas auf dieser Erde hinterlassen, dabei spannend und romantisch und toll zu lesen sein. Kein leichtes Ziel, aber wenns leicht wäre, wäre es wahrscheinlich auch schnell langweilig. So habe ich immer etwas, auf das ich hinarbeiten kann und das liebe ich.

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Offenherzig, spontan, perfektionistisch

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Meinen Mann geküsst. 😉 Ansonsten gibt es sowas für mich nicht. Ich mag keine festen Strukturen und allein der Gedanke, etwas jeden Tag tun zu müssen, macht mir emotionale Platzangst. Ich bin gerne frei und spontan und liebe es, dass ich mir jeden Arbeitstag so einrichten kann, wie ich es gerade an diesem Tag brauche. Und das kann sehr unterschiedlich sein.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Vor nun fast 21 Jahren mit meinem Mann zu tanzen. Damals war ich 16, er hat mich in der Tanzschule aufgefordert und ich habe nie bereut, ja gesagt zu haben. Ohne ihn wäre ich nicht, wo ich jetzt bin. Er hat lange vor mir daran geglaubt, dass ich aus dem Schreiben einen Beruf machen könnte und mich davor und auch in den Stresszeiten danach immer unterstützt. Das ist unbezahlbar und ich bin sehr dankbar, so einen Partner gefunden zu haben. Gleichwertig war sicherlich die Entscheidung, überhaupt mal mit dem Schreiben anzufangen, das ist ja noch nicht so lange her bei mir und ich bin so unglaublich froh, dass ich es gemacht habe.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Mein nächstes Buch „Sternenfinsternis – Das Herz der Quelle 2“ erscheint am 2. März 2018 bei Arena und für März 2019 und März 2020 ist je ein Buch bei Droemer Knaur als Lily Oliver geplant. 2019 und 2020 soll es natürlich auch weitere Fantasy von mir geben, das ist aber noch nicht spruchreif.

Danke für das Interview 😀

 

 

 

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